Nach einer Woche Blog-enthaltsamkeit habe ich mich doch wieder motiviert ein Update zu schreiben.
Zunächst einmal muss ich feststellen, dass mein Bilderblog eigentlich kein Biderblog ist. Meine diletantischen Pseudokunst bilder habe ich noch immer nicht im Picasa hochgeladen, obwohl es bereits 3 Alben im Studivz gibt. Ich werd es also in den nächsten Tagen nach holen und die 3 Alben hier posten.
Dieses Wochenende geht es endlich mal raus aus Minneapolis. Die Skandinavier-bande, Monika und meine fantastische Wenigkeit fahren mit einem Mietwagen nach Chicago. Es ist ja langes Wochenende, da ja Thanks-giving ist. Im übrigen ist Thanks-giving hier das erste richtige Fest seit meiner Ankunft. Die Unistunden entfallen zum Teil, da viele Studenten nachhause fahren. Auch das Unterrichtstempo hat deutlich nachgelassen und es ist gerade eine letzte Verschnaufpause vor den Final Exams.
Zurück zu Chicago; wir wollen uns eigentlich einfach nur die Stadt anschaun, ein bisschen Bummeln und Party machen. Ich hab das glück, dass ich dort nicht nur Verwandte habe, die ich zu Weihnachten besuchen werde, sondern auch einen Internet-"Freund", bei dem ich dieses Wochenende schlafen werde. Auf diesem Wege spar ich mir in etwa 400 Euro, denn die wahnsinnigen Skandinavier haben sich eines der teuersten Hotels ausgesucht zum schlafen. Ich werd bei meiner Bekanntschaft auf der Couch schlafen (aka Couch-surfing) und mich dadurch dankbar zeigen, dass ich für ihn kochen werde und die Kosten fürs Essen übernehme.
Meine Winterferien, die ja bereits in einem Monat beginnen, habe ich auch schon durchgeplant. Ich werde Weihnachten bei meinen Verwandten wieder in Chicago verbringen. Meine Cousine 2ten Grades hat mich unlängst gefragt, ob ich nicht Weihnachten mit ihnen verbringen will. Ist ja auch viel netter die übersee Familie im weitesten Sinne kennen zu lernen, als alleine am Heilig Abend in Minneapolis zu sitzen. Zwar seh ich dann Chicago bereits zum zweiten mal, aber ich glaube, dass das eine andere, eher familärere entspannte Erfahrung ist. Dieses Wochenende ist eher die wilde Party-Wochenende.
Nach Weihnachten wird dann der Roadtrip durch die Wüste starten. Ich plane direkt von Chicago nach Vegas zu fliegen. Wie es ausschaut wird womöglich Clement, ein Wiener den ich hier kennengelernt habe und hier Praktikum macht, sich für eine Woche mir anschließen. Die erste Woche soll Vegas unsichergemacht werden, dann ein Leihwagen gemietet und durch die Wüste gefahren werden, wo auch immer wir Lust haben. Durch death valley mit einem Cowboy hut und Queens of the stoneage hören, das hatte ich von anfang an vor. Weitere Ausflugsziele sind der Grand-Canyon und die Wüste in Utah, aber ich bin da noch relativ flexibel. Die zweite Woche will ich dann die Route 1 von LA bzw San Diego bis nach San Fran fahren, da die Küstenstrecke ja recht schön sein soll. Unterwegs möchte ich die Nationalparks Yosemite oder Yellowstone besuchen und auch einen Abstecher nach Nappa-Valley machen um einen Rotwein zu trinken. Ziel ist dann San Fran, von wo ich nach einem kurzem Aufenthalt plane wieder zurück nach Minneapolis zu fliegen. Am Ende soll noch eine Woche Ferien rausschaun, damit ich mich mit verschiedenen Uniarbeiten beschäftigen kann. Dann beginnt ja ohnehin bereits das nächste Semester und ehe ich mich versehe ist mein Auslands - acht monatiges - jahr zuende.
Ich habe ja bereits einige postiven Aspekte der USA hervorgehoben um eine Gegenstimme gegen diesen stupiden unreflektierten aber derzeit durchaus populären Antiamerikanismus zu bieten. Mir geht es vorallem darum zu zeigen, dass die USA ein großartiges und vorallem interessantes Land ist. Es gibt natürlich viele Dinge die befremdlich sind und ganz klar auch Facetten die ich strikt ablehne. Eine der merkwürdigsten Dinge des Alltagslebens ist die Beziehung zum Alkohol. In den Vereinigten Staaten gilt ein Alkoholverbot unter 21 und es ist bis auf ganz wenige Ausnahmen (Las vegas) nicht erlaubt in der Öffentlichkeit offene Alkoholika zu trinken. Warum ist das so und warum ist das für einen Europaer so befremdlich?
Nun ich muss da aus meiner Sicht weit ausholen. Ich habe mich vor einigen Jahren mit meinem Vater darüber unterhalten. Er meinte, meiner ansicht nach richtigerweise, dass wir in Europa aus einer gewissen Notwendigkeit eine Alkoholkultur entwickelt haben. Das begann mit den Römern die begonnen haben Wein zu kultivieren, da Wein nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesündern und keimfreier als Grundwasser sei. Man muss sich ja vorstellen, dass die Römer nicht umsonst riesige Aquädukte bauten wo sie konnten um frisches Wasser zu trinken. Man kann sich ja nicht einfach zu einem Fluß wie dem Tiber stellen, ein paar Gläser Wasser schöpfen und Glücklich sein. Dieser Alkoholkonsum in Europa ist also seit Jahrtausenden eine etablierte Tradition, egal ob Wein in Frankreich oder Bier in Deutschland. [1]
Bekanntlicher weise waren es vorallem die radikalek Puritaner die von England in die neue Welt segelten, es konnte sich in diesem Sinne keine historisch verwurzelte Notwendigkeit zum Alkoholkonsum entwickeln. Stattdessen eroberten Firmen mit Softdrinks den Durst des amerikanischen Konsumenten. Nicht umsonst sieht man in Coca Cola das Paradeprodukt des erfolgreichen amerikanischen Kapitalismus. Was bei uns an Regalen mit verschiedensten Bierprodukten im Spar oder Billa gefüllt ist, gibt es hier Getränke wie Mountain Dew oder Club Jazz Caramell Cola, um nicht vielleicht auch mein Lieblingsgetränk Dr. Pepper zu erwähnen. Das mündete in Prohibition in den 20igern und 30igern in denen Capone und andere fiese Gangster sich einen Namen machten. Die Prohibition ging, eine eigenartige Vorstellung des Alkoholkonsums blieb erhalten. Hier zeigt sich für mich deutlich die amerikanische Doppelmoral. Aus Sicht am Campus trinkt hier ein großteil der unter 21 Jährigen. Anstatt in Clubs zu gehen, betrinken sie sich auf Frat-Partys oder auf sonstigen Privatpartys. Einen gefälschten Ausweiß zu besitzen ist bei jugen Studenten keine Seltenheit. Man darf als Europär hier nicht arrogant sein und das System pauschal verurteilen. Ich kritisiere es dennoch, bewundere aber auch die Konsequenz mit dem die strikten Alkoholgesetze verfolgt werden.
Denn es verhält sich hier nunmal so, dass die Polzei hier streng kontrolliert. In erste Linie betrifft das Autofahrer, dass man hier angehalten wird ohne sich auffällig zu verhalten ist in der Nacht keine Seltenheit. Auch ist es hier so, dass in Downtown, wo die meisten Clubs sich befinden, bis zur Sperrstunde um 2 Uhr in der Früh eine Polizeistreife mit 2-3 Polizisten vor jeden Club positionieren. Manch einer mag da sofort Polizeistaat schreien, ich finde diese Regelung nicht schlecht. Immerhin gibt hier ein Bundesstaat unsummen an Geld für Sicherheit aus. (Eine kleine Anektote am Rande, die Polizei in Minnesota ist hier ultramodern. Mit Pferdestreifen die auf der Straße gallopieren. Ein betrunkener Alsak zu einer Polizisten auf einem Pferd: Can you give me a ride home? Auch Polizisten auf Fahrrädern sind keine Seltenheit.) In diesem Sinne passieren hier nunmal weniger Autounfälle mit betrunken Jugendtlichen. Und wie wir in Österreich wie statistisch gesehen wissen, sind die meisten betrunkenen Autofahrer die tödlich verunglücken ja irgendwas bei 17 bis 21 Jahren. Ich kann an dieser Stelle aber nicht genau sagen inwiefern sich das Alkohlverbot unter 21 Jahren hier positiv auswirkt, ich habe nur gehört dass dies nunmal die Argumentation dafür ist.
Andererseits habe ich bereits erwähnt, dass hier ja im Grunde die gesammten Studenten partys feiern, weil man einfach als Student die wilden Jahre seines Lebens feiert. Daher ergibt sich für mich ein gravierendes Problem dieser Regelung. Ich habe kein Problem meinen Ausweiß zu zeigen wenn ich im Liqourstore Alkohol kaufe oder den Alkohol in Papiertüten verstecke, sprich die strickten Regelungen sind nicht so schlimm. Für mich ergibt sich da ein viel schlimmeres eher ideologisches Problem. Man vertraut einem volljährigem amerikanischen Staatsbürger alle Rechte und Pflichten an, mit eben einer Ausnahme. Um das spezifischer und realitätsnah zu formulieren, man Teilt die Jugend in 2 Hälften. Du kommst sozusagen auf den Campus und machst dir neue Freunde, ein Teil kann legal trinken und in Clubs gehen, die andere kann rein gesetzlich einen Videoabend machen. Das funktioniert nicht, weil kein Student hört sich gerne an wie "geil" und "krass" doch die Party vom Vortag war und wie doch der eine Freund im Suff diesen und jenen Blödsinn angestellt hat. Ganz klar, die unter-21-hälfte will trinken und verschafft sich auf illegale weiße Zugang zum Alkohol und wird de jure eigentlich kriminell. Und alles, weil man halt Spaß haben will. Man muss also also einem Bürger dem man durchaus Anvertraut eine Waffe im Krieg zum Töten zu verwenden auch die Risiken und Gefahren des Alkoholkonsum zu erkennen. Das der Mensch ansich dumm und unfähig ist entschuldigt das eigenartige System nunmal nicht. Entweder volljährig und Staatsbürger der sich betrinken kann weil es sein Recht ist wie alle die gleichen Rechte zu besitzen oder nicht. Diese aktuelle Regelund ist weder Fisch noch Fleisch. Es gibt durchaus positive Aspekte zu erkennen, wenn man sich über den Rand der Partygesellschaft blickt, aber meiner Meinung nach überwiegen die realexistenten Probleme. In diesem Sinne stelle ich mich nicht die Frage ob eine Alkoholregelung ab 18 nicht doch sinnvoller ist, andererseits weiß ich nicht wieviel Recht mir eigentlich zusteht Gesetze zu kritiseren, wenn ich zu Gast in einem anderen Land bin. So, irgendwann muss Schluß sein. Ich hab jetzt viel zu viel geschrieben um mein Gefaßel jetzt noch korrektur zu lesen, darum entschuldigt etwaige Vertippser und orthografische Fehler.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen